International

Gesundheitsausbildung grenzenlos

Die Akademisierung der Gesundheitsberufe vor 20 Jahren hat auch einen Internationalisierungsschub für den Gesundheitssektor gebracht. Entstanden sind internationale Netzwerke, Begegnungen und Projekte, die den Blick über die eigene Profession und das eigene Gesundheitssystem hinaus erweitern. Denn das, was gelehrt und gelernt wird, muss im internationalen Vergleich mithalten können.

Gruppe von Studierenden und Lehrenden vor dem Schriftzug „I love Estoril“ in Portugal

Gerade in Gesundheitsberufen ist der Perspektivwechsel oft mehr als nur eine interessante Auslandserfahrung. Ausbildung, Berufsbilder und Gesundheitssysteme unterscheiden sich von Land zu Land. Diese europäische und internationale Vielfalt ist ein fester Bestandteil der Ausbildung an der FH Salzburg. Studierende können Auslandspraktika absolvieren, Lehrende können über „Staff Mobilities“ ins Ausland gehen. Manchmal beginnt der Austausch aber auch zu Hause, als Buddy für Incoming-Studierende oder bei internationalen Netzwerktreffen. Die Förderschienen des Erasmus+ Programms der EU sind dabei der größte Hebel.

„Internationale Vernetzung verändert, wie Gesundheitsberufe gelehrt werden, und eröffnet Kooperationen, aus denen neue wissenschaftliche Fragestellungen entstehen können. Der Blick über die Grenze macht sichtbar, dass man voneinander lernen kann und manchmal auch, was am eigenen System keineswegs selbstverständlich ist,“ betont Departmentleiterin Geja Oostingh.

Departmentleiterin Geja Oostingh spricht am Rednerpult

Departmentleiterin Geja Oostingh

Internationale Fachnetzwerke

Seit vielen Jahren sind die einzelnen Professionen des Departments in internationalen Netzwerken vernetzt. So ist Gesundheits- & Krankenpflege beispielsweise die einzige österreichische Hochschule im „European Network of Nursing in Higher Education“ (ENNE). Neben den regelmäßigen Treffen der Koordinator*innen der Hochschulen bietet das Netzwerk auch „Blended Intensive Programmes“ (BIPs) an. Dieses Format verbindet digitale Zusammenarbeit mit einer kurzen Präsenzphase im Ausland. Im April 2026 kamen über diese Förderschiene rund 80 Studierende und Lehrende aus ganz Europa an der FH Salzburg zusammen und trainierten länderübergreifend ihre Pflegekompetenzen. Ein Teilnehmer fasste es treffend zusammen: „We may speak different languages, but we all speak the language of nursing.“

Auch andere Studiengänge pflegen seit vielen Jahren internationale Berufsnetzwerke. Der Austausch reicht von der Lehre und der Anerkennung von Studienleistungen und Berufsbildern bis hin zu rechtlichen Fragen im Gesundheitswesen.

Gruppenfoto der rund 80 Teilnehmenden des ENNE-Programms auf einer Treppe an der FH Salzburg

Blended Intensive Programme des European Network of Nursing in Higher Education (ENNE) an der FH Salzburg, April 2026

Audio

Christoph Meinhart, Studiengangsleiter und Vizepräsident von ENNE

„Welche Unterschiede zwischen den europäischen Pflegeausbildungen bringen Sie immer wieder zum Nachdenken über die eigene Ausbildung?“

Porträt Christoph Meinhart

Christoph Meinhart, Studiengangsleiter und Vizepräsident von ENNE

Gemeinsam lernen, über Grenzen hinweg

Auch kleinere Studiengänge fördern die internationale Vernetzung in der Lehre und nutzen verschiedene EU-Programme, um Kurzaufenthalte zu ermöglichen, die möglichst vielen Studierenden eine Auslandserfahrung bieten. Der Studiengang Ergotherapie setzte in den vergangenen Jahren ebenfalls auf „Blended Intensive Programme“ (BIP). Im Rahmen des Erasmus+-geförderten BIP „Go4EOT – Go for European Occupational Therapy“ reisten Ergotherapie-Studierende im Mai 2026 nach Portugal. Gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden aus 6 europäischen Ländern arbeiteten sie – nach intensiver Vorbereitung online – einige Tage gemeinsam vor Ort an innovativen Projektideen zur Förderung von Teilhabe, Inklusion und Betätigungsgerechtigkeit.

Ergotherapie-Studierende halten in Portugal eine österreichische Flagge

BIP „Go4EOT – Go for European Occupational Therapy“ in Portugal, Mai 2026

Audio

Katharina Radak-Scherer, Ergotherapie

„Was lernen Studierende in einem BIP voneinander, was in einer rein nationalen Lehrveranstaltung nicht entstehen würde?“

Katharina Radak-Scherer, Ergotherapie

Katharina Radak-Scherer, Ergotherapie

In der Biomedizinischen Analytik ist Internationalisierung sogar als eigenes Thema im Curriculum verankert. Auch Lehrende wechseln regelmäßig die Perspektive, etwa im Rahmen eines Staff-Exchanges mit anderen Ländern. In anderen Studiengängen führen Auslandspraktika, Kongresse oder Incoming-Studierende dazu, dass internationale Erfahrungen Teil des Studienalltags werden. Beim OCE Education Committee Meeting in Belgien tauschten sich kürzlich Vertreter*innen von Orthoptik aus Europa über Unterschiede und mögliche Angleichungen in der orthoptischen Ausbildung aus.

Internationales Flair ohne Reise bieten COILs, „Collaborative Online International Learning“, internationale Lehrveranstaltungen, bei denen Studierende über Ländergrenzen hinweg gemeinsam arbeiten, ohne dafür reisen zu müssen. Bei den Hebammen wiederum reicht die internationale Zusammenarbeit bis zur Frage, wie sich die Geburtshilfe gemeinsam weiterentwickeln lässt.

Vom Austausch zum europäischen Netzwerk

Aus einzelnen Begegnungen entstehen oft langfristige Verbindungen. Heute bestehen für die Gesundheitswissenschaften 34 aktive Partnerschaftsabkommen in 18 Ländern. Projekte und Netzwerke wie EDUCARE 5.0 führen diese Zusammenarbeit auf eine weitere Ebene: Hochschulen und Partner arbeiten gemeinsam daran, wie sich Gesundheitsversorgung, Ausbildung und Innovation in Europa weiterentwickeln lassen.

Drei Studierende mit Kopfhörern im Podcast-Studio der FH Salzburg

Podcast-Tipp

A Life Abroad – der Podcast des International Office der FH Salzburg

In dieser Folge spricht Vanessa Schmalz, Ergotherapie-Studierende, über ihr Praktikum in einem Kinderhospiz und den Umgang mit dem Tod. Nach dem Verlust ihrer Mutter begab sie sich auf Reisen und sammelte eindrückliche Erfahrungen in verschiedenen Kulturen. Offen und reflektiert, und mit einer beeindruckenden Leichtigkeit, erzählt sie, wie andere Länder mit Sterben und Trauer umgehen – und was sie selbst daraus gelernt hat.

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