Kapitel Lehre
Lernen, was heute und in Zukunft zählt
In kaum einem anderen Bereich hat man so viel mit Menschen zu tun wie im Gesundheitsbereich. Gerade deshalb ist es wichtig, den Studierenden mit innovativen Methoden bewährtes Wissen und neue Kompetenzen zu vermitteln. Dann können sie in der Praxis ihr Bestes geben.
Mathilde ist in ihren späten Siebzigern, sie hat graue Haare, grüne Augen, eine weiche Haut und mehrere Stellen, an denen man Spritzen setzen und Infusionen oder Drainagen legen kann. Sie spricht und stöhnt – heute leidet die High-Tech-Simulationspuppe als Frau Ernst unter unklaren Schmerzen im Bauchraum. Eine Sonographie ergab keine verlässliche Diagnose, deshalb steht für Studierende des Bachelorstudiengangs Radiologietechnologie nun eine Computertomografie bei Frau Ernst an. Die Vorbereitungen laufen in der Gruppe routiniert ab, doch dann passiert es. Nachdem der Patientin das für die Untersuchung notwendige Kontrastmittel gegeben wurde, bricht der Kreislauf zusammen, die Frau verliert das Bewusstsein. Ein Notfall, bei dem die Studierenden des fünften Semesters rasch reagieren müssen: Was ist passiert? Was ist zu tun?
„Das Kontrastmittel hat bei der Frau einen anaphylaktischen Schock ausgelöst. Eine Situation wie sie tagtäglich in der Praxis vorkommen kann“, sagt Christine Kern, Senior Lecturer im Department Gesundheitswissenschaften. Sie begleitet regelmäßig Studierende im Skills Lab, das vor allem von Gesundheits- & Krankenpflege, aber auch von Ergotherapie oder Radiologietechnologie genutzt wird.
In den neu eingerichteten Räumen können Routine- und Notfallsituationen unter realistischen Bedingungen geübt werden. In den ersten Semestern geht es vor allem um Fertigkeiten – von Mund- und Körperpflege über die Wundversorgung bis hin zum Umgang mit Kathetern, Drainagen oder Infusionen. Später werden die Aufgaben komplexer, die Studierenden trainieren in Kleingruppen mit Simulationspuppen oder Schauspielpatient*innen. In einem anderen Raum beobachten Kolleg*innen per Videoübertragung die Übenden, danach wird gemeinsam reflektiert und an Verbesserungspotenzialen gearbeitet.
„Durch das Skills Lab können wir mit den gleichen Ressourcen viel mehr Zeit mit Praxis anbieten. Wir üben in einem geschützten Rahmen komplexe Szenarien. Das gibt Sicherheit und Selbstbewusstsein“, sagt Babette Grabner, Studiengangsleiterin Gesundheits- & Krankenpflege. „Ich habe in meiner Ausbildung einmal bei einer Kollegin Blut abgenommen. Danach kam der erste Patient. Ich weiß nicht, wer sich mehr gefürchtet hat: er oder ich“, erinnert sich Grabner an ihre eigene Ausbildung. Heute üben Studierende viel mehr, bevor sie ihr Wissen in der Praxis anwenden.


Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Dazu gehört auch, gemeinsam mit anderen Gesundheitsberufen zusammenzuarbeiten. „Deshalb haben wir gemeinsame Übungen mit Studierenden der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität. Dabei lernen beide Seiten, in realistischen Behandlungssituationen auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren und zu arbeiten“, betont Grabner. Der Studiengang Orthoptik arbeitet beispielsweise eng mit der Sehschule der SALK zusammen. In einem Pilotprojekt haben vier Studentinnen der Radiologietechnologie im Sommersemester einen Tag lang die PET-CT-Ambulanz an der Universitätsklinik für Nuklearmedizin und Endokrinologie übernommen – so erfolgreich, dass schon über ähnliche Formate für die Zukunft nachgedacht wird.

Babette Grabner, Studiengangsleiterin Gesundheits- & Krankenpflege
Aber auch innerhalb der FH Salzburg wird eng kooperiert. So unterrichten beispielsweise eine Hebamme und eine Ergotherapeutin auch am Studiengang Gesundheits- & Krankenpflege. Lehrende der Biomedizinischen Analytik halten im Studiengang Hebammen jene Einheiten, in denen die bei Schwangeren wichtigen Blutwerte unterrichtet werden.
„Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist sehr bereichernd. Außerdem lernt man dabei, dass man nicht für alles selbst Expert*in sein muss, sondern wo man fragen kann“, ist Geja Oostingh, Leiterin des Departments Gesundheitswissenschaften, überzeugt. Gerade in der Vermittlung der Grundlagen wie Hygiene oder Humanbiologie gibt es bei vielen Studiengängen inhaltliche Überschneidungen. Dass diese fächerübergreifend angeboten werden, bringt viele Vorteile.

Pilotprojekt: Studierende der Radiologietechnologie übernahmen einen Tag lang die Ambulanz der Universitätsklinik für Nuklearmedizin und Endokrinologie.
Üben in virtuellen Laboren
Auch Digitalisierung und KI geben der Lehre einen innovativen Drive. In virtuellen Laboren machen Studierende der Biomedizinischen Analytik beispielsweise Gensequenzierungen. „In der Realität sind solche Untersuchungen viel zu teuer“, sagt Oostingh: „Auf den digitalen Plattformen können sie die Versuche beliebig oft wiederholen und sich so auch gut auf Prüfungen vorbereiten.“


An realen Situationen wachsen
Ein eigenes Skills Lab wird derzeit für den Studiengang Physiotherapie eingerichtet, um ab dem Sommersemester 2027 vom Aufklärungsgespräch bis zur Behandlungssituation in Kleingruppen zu üben und sich damit weiterzuentwickeln. Studiengangsleiter Philipp Zunke betont den Vorteil des Lernens im geschützten Rahmen: „Man darf auch Fehler machen.“ Die eine Gruppe übt, die andere sieht per Video zu. Gemeinsam reflektieren die Studierenden die Situation und lernen daraus.
Der Studiengang Physiotherapie ist übrigens Vorreiter: Die FH Salzburg ist die erste Fachhochschule, die die Simulation im Physiotherapie-Curriculum verankert hat, sagt Zunke nicht ohne Stolz.

Philipp Zunke, Studiengangsleiter Physiotherapie
Neue Studienangebote
Und auch bei den Studienangeboten im Gesundheitswesen entwickelt sich die FH ständig weiter: Im Herbst 2027 wird der Studiengang Logopädie am Department Gesundheitswissenschaften starten. Der Masterstudiengang Biomedical Technologies and Analytics in Kooperation mit der Uni Salzburg ist ebenfalls für 2027 geplant. Im Department Information Technologies wurde gerade ein Joint Master mit der PMU in Applied AI in Health Care begonnen – ein Thema, das in der Medizin gerade intensiv diskutiert wird.

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