Forschung
Forschung, die wirkt
Das Department Gesundheitswissenschaften steht für Forschung, die einen unmittelbaren Nutzen für Patient*innen, Gesundheitsberufe oder das Gesundheitssystem bringt. Kooperation ist bei den anwendungsorientierten Projekten ein Schlüssel für den Erfolg.
Frauenmantel, Thymian, Melisse, Schafgarbe oder Mädesüß: Das sind nur einige heimische Alpenpflanzen, bei denen das Team der Biomedizinischen Analytik rund um Anja Schuster in den vergangenen Jahren die Inhaltsstoffe genauestens unter die Lupe genommen und identifiziert hat. Gerade die antibakterielle oder wundheilungsfördernde Wirkung vieler Heilpflanzen interessiert die Forschungsgruppe, die im nächsten Schritt nach gezielten Anwendungen dieser Inhaltsstoffe im Bereich der Dermatologie sucht. „Wir haben vor allem Akne und Neurodermitis im Blick“, sagt Schuster. Die Pflanzen hätten in der Volksmedizin einen großen Stellenwert, bei der Behandlung von Hautkrankheiten wären sie aber weniger verbreitet. Das sei ein neues Anwendungsfeld, erläutert die Forscherin. Aktuell ist das Team von Nettle4EU – so der Name des Interreg Italien-Österreich geförderten Projekts – im Gespräch mit Unternehmen, Apotheken und Dermatolog*innen, um den größten Bedarf für Medizinprodukte auf Basis pflanzlicher Inhaltsstoffe zu eruieren, die bei Akne oder Neurodermitis helfen könnten.

Anja Schuster, Biomedizinische Analytik
Nettle4EU zeigt, wie Forschung am Department Gesundheitswissenschaften der FH Salzburg ausgerichtet ist. Das gemeinsame Ziel aller Forschungsaktivitäten ist, dass sie einen unmittelbaren Nutzen für die Patient*innen, die Gesundheitsberufe oder das Gesundheitssystem bringen sollen. „Uns geht es in unserer Forschung sehr stark um einen Output, der auch angewandt werden kann“, betont Geja Oostingh, Leiterin des Departments Gesundheitswissenschaften und Head of Research: „Das gelingt vor allem durch Kooperation. Fast immer arbeiten wir in der Forschung mit anderen Departments oder Institutionen zusammen.“ Das können Kliniken, Unternehmen oder internationale Forschungspartner*innen ebenso sein wie andere Departments oder Studiengänge der FH Salzburg.
Der Forschungsschwerpunkt Applied Health Innovation bündelt die Expertise aus den Studiengängen Physiotherapie, Hebammen, Gesundheits- und Krankenpflege, Orthoptik, Ergotherapie, Radiologietechnologie und Biomedizinische Analytik und führt zu spannenden Forschungsfragen.


Die Forschung des Departments ist in zwei Gruppen organisiert: Advances in Resilient Health Systems and Health Education konzentriert sich auf Themen wie eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung, die Auswirkungen des Klimawandels auf Gesundheitssysteme, digitale Gesundheitslösungen oder interprofessionelle Zusammenarbeit und Gesundheitskompetenz. Die zweite Gruppe Advances in Diagnostics and Medical Sciences untersucht – wie bei Nettle4EU - die Effekte pflanzlicher Inhaltsstoffe auf die menschliche Haut, entwickelt moderne Diagnostik oder KI-gestützte bildgebende Verfahren.
Doktoratsprogramm verbindet Biomedizin, Bildgebung und KI
Kürzlich wurde das von FWF – doc.funds.connect finanzierte Doktoratsprogramm REVELATION gestartet. Es konzentriert sich auf KI-gestützte Innovationen in der biomedizinischen Bildgebung und wird gemeinsam mit der Universität Salzburg durchgeführt. In dem Programm werden sechs Dissertationsprojekte unterstützt, die interdisziplinär ausgerichtet sind. „Wir schlagen die Brücke zwischen Gesundheitswissenschaften und KI“, sagt Oostingh in ihrer Funktion als Head of Research am Department. So sollen medizinische Daten mittels künstlicher Intelligenz noch schneller und besser analysiert werden. Während solche Verfahren beispielsweise in der Krebsdiagnostik schon recht verbreitet sind, will man sich im Rahmen von REVELATION unter anderem um Daten kümmern, die etwas über den Immunstatus von Patient*innen aussagen. „Ziel sind genauere und schnellere Diagnosen und eine stärkere Individualisierung von Behandlungen“, erläutert die Departmentleiterin.
Umgang mit Hitzestress als Forschungsfrage
Wie aktuell die Forschungsfragen am Department sind, hat der heurige heiße Sommer gezeigt. Die Forschungsgruppe von Melanie Roth (Advances in Resilient Health Systems and Health Education) beschäftigt sich damit, welche Auswirkungen steigende Temperaturen auf das Gesundheitssystem haben. Konkret wurde in einem Projekt eine Hitze-Landkarte für 64 Rehabilitations-Standorte in ganz Österreich erstellt. Dafür wurden die Tageshöchsttemperaturen der vergangenen 30 Jahre ausgewertet. Damit sollen valide Daten vorliegen, mit wie vielen Hitze- und Wüstentagen sowie Tropennächten an einem Standort zu rechnen ist. Es macht gerade für vulnerable Patient*innen und das Personal einen Unterschied, ob die durchschnittlichen Maximaltemperaturen an einem Standort bei rund 30 oder bei 25 Grad liegen. „Darauf aufbauend kann man Maßnahmen ableiten“, sagt Roth: „Eine Rehabilitation hat einen standardisierten Ablauf.“

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Wenn Einrichtungen über das Gefährdungspotenzial Bescheid wissen, können Hitzeschutzpläne besser umgesetzt und Abläufe geändert werden, beispielsweise können Outdoor-Aktivitäten der Patient*innen in die Morgen- oder Abendstunden verschoben oder Bewegungsintensitäten an die Hitze angepasst werden.“
Melanie Roth, Projektleiterin
Für das Projekt HeatCare wurden Mitarbeiter*innen in Rehabilitations-, Kur- und Senior*inneneinrichtungen zu ihren Hitzebelastungen sowie etwaigen Anpassungsmaßnahmen befragt. Eine wichtige Grundlage, um aus allgemeinen Hitzeschutzplänen konkrete Lösungen für die jeweilige Einrichtung abzuleiten, weil es auch hier vor allem um die Anwendung des im Projekt geschaffenen Wissens geht.
Praktikumsunterstützung per App
Die tägliche Praxis in Gesundheitseinrichtungen verbessern könnte auch eine App, die in der Forschungsgruppe von Roth entwickelt wird. Praktika in Spitälern, Ordinationen oder Pflegeheimen machen einen großen Teil der Ausbildung in den Studiengängen der gesundheitswissenschaftlichen Fächer, insbesondere der Pflege, aus. Diese Ausflüge in die Praxis sind für die jeweiligen Einrichtungen mit viel bürokratischem Aufwand verbunden. „Unsere App soll die Abwicklung der Praktika deutlich vereinfachen“, erläutert Roth. Seit Herbst 2023 steht das Konzept, nun konnten Fördermittel für die Umsetzung lukriert werden. 2027 wird die Programmierung der App durch ein Softwareunternehmen erfolgen, im Herbst 2028 ist der geplante bundeslandweite Start für die Pflegeausbildung. „Es geht um eine Digitalisierung des Praktikumsprozesses“, sagt Roth: „Am Ende soll mehr Zeit für die Patient*innen bleiben und gleichzeitig die Ausbildungsqualität verbessert werden.“ Zwei Ziele, für die sich die Forschungsarbeit lohnt.

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