Doktoratsprogramm REVELATION
Forschung im Tandem
Wenn Biomedizin auf Informatik trifft
Im Doktoratsprogramm REVELATION forschen Nachwuchswissenschaftler*innen der FH Salzburg und der Universität Salzburg an den Schnittstellen von Biomedizin und Informatik. Zwei von ihnen sind Bettina Gahleitner und Marleen Bahe. Als Forschungstandem an der FH Salzburg verbinden sie Immunologie, Computer Vision und maschinelles Lernen, um neue Wege für die medizinische Diagnostik zu erschließen.

Während Bettina Gahleitner im Forschungslabor des Studiengangs Biomedizinische Analytik untersucht, wie Immunzellen auf Viren reagieren und welche Informationen in mikroskopischen Zellbildern verborgen sind, entwickelt Marleen Bahe im Department Information Technologies Methoden des maschinellen Lernens, um genau solche Bilddaten automatisiert auszuwerten und neue Muster sichtbar zu machen.

Biomedizinische Analytik
Bettina Gahleitner
„Mich fasziniert, wie Zellen funktionieren und was auf molekularer Ebene im menschlichen Körper passiert“, sagt Bettina Gahleitner. Im Rahmen ihrer Dissertation erforscht sie, ob sich langfristige Immunantworten gegen Viren anhand charakteristischer Veränderungen von Immunzellen nachweisen lassen. Im Zentrum stehen dabei die Gedächtniszellen des Immunsystems. Gahleitner untersucht, ob sich die Reaktion dieser Zellen auf bestimmte virale Bestandteile anhand von Veränderungen unter dem Mikroskop erfassen und mithilfe von Computer-Vision-Methoden objektiv auswerten lässt. Hierzu werden Immunantworten betrachtet, die sich anhand von viralen Peptiden von Hepatitis A, Masern und SARS-CoV-2 unterscheiden lassen. „Das Ziel besteht darin, eine einfache, automatisierbare Methode zu entwickeln, mit der sich langfristige zelluläre Immunantworten erfassen lassen“, erklärt Gahleitner.
Zur Person: Aufgewachsen in Herzogsdorf in Oberösterreich, studierte Bettina Gahleitner Molekulare Biowissenschaften im gemeinsamen Bachelorprogramm von Universität Salzburg und JKU Linz und absolvierte anschließend ihren Master in Biophysik an der JKU. Dort beschäftigte sie sich intensiv mit der Proteinbiologie. Seit Juni 2026 forscht sie im Rahmen des vom FWF geförderten Programms doc.funds.connect an der FH Salzburg.
Information Technologies
Marleen Bahe
Damit aus den Mikroskopiebildern verwertbare Erkenntnisse werden, kommt Marleen Bahe ins Spiel. Die Informatikerin entwickelt Deep-Learning-Modelle, die komplexe biomedizinische Bilddaten analysieren und interpretieren können. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der digitalen Auswertung histopathologischer Gewebeproben. „Das bedeutet, dass aufwändige Laborarbeitsschritte bei der mikroskopischen Untersuchung von Gewebeproben künftig durch digitale Bildverarbeitung unterstützt werden sollen. Dabei soll Deep Learning nicht nur Ergebnisse liefern, sondern als nachvollziehbares Werkzeug entwickelt und eingesetzt werden“, erklärt Bahe.

Zur Person: Marleen Bahe, gebürtige Hamburgerin, studierte Technomathematik an der Technischen Universität Hamburg und der Universität Hamburg. Bereits im Bachelorstudium begeisterte sie sich für die Schnittstelle von Mathematik, Informatik, Ingenieurwissenschaften und Medizintechnik. Den Masterstudiengang absolvierte sie in den Bergen: den Joint Master Applied Image and Signal Processing an der FH Salzburg und der Universität Salzburg. Dort vertiefte sie ihre Kenntnisse in Signalverarbeitung, Data Science und Machine Learning. Anschließend arbeitete sie zunächst als Data Scientist bei Salzburg Research und danach als Machine Learning Engineer bei MED-EL, wo sie intelligente Systeme für die Anpassung von Hörimplantaten entwickelte. Seit September 2025 forscht sie im Rahmen des PhD-Programms REVELATION an der FH Salzburg.
„Besonders spannend finde ich das Übersetzen zwischen unterschiedlichen Themenwelten und Fachdisziplinen“, sagt Bahe. Genau das prägt auch die Zusammenarbeit im REVELATION-Programm. Biologisches Fachwissen trifft auf mathematische Modelle, Laborarbeit auf Algorithmen. „Die Biomedizin, zusätzlich zur Faszination für die Medizintechnik, ist für mich ein großer Motivationsfaktor. Es geht nicht nur darum, neue Methoden zu entwickeln, sondern auch darum, langfristig einen Beitrag für Menschen und die Gesellschaft zu leisten“, ergänzt Bahe.
Dieser Austausch über die Fachgrenzen hinweg macht auch für Bettina Gahleitner den Reiz des Programms aus: „Schon unterschiedliche Lichtquellen oder Belichtungen bei den Mikroskopiebildern können auf der KI-Seite eine Rolle spielen. Das ist eine der Herausforderungen, die wir im Team lösen müssen.“ Langfristig könnten die im Projekt entwickelten Methoden dazu beitragen, Laborprozesse effizienter zu gestalten, Diagnosen zu beschleunigen und Ärzt*innen bei komplexen Analysen zu unterstützen. Marleen Bahe verweist etwa auf das Forschungsfeld des „Virtual Staining“, bei dem KI bestimmte Färbeschritte von Gewebeproben digital ersetzen könnte. Bilder würden so innerhalb von Sekunden statt Stunden entstehen, gleichzeitig könnten Ressourcen und Chemikalien eingespart werden.
Regelmäßige Treffen innerhalb von REVELATION schaffen Raum, um genau solche Fragen gemeinsam zu diskutieren. Die Doktorand*innen werden dabei von Forschenden beider Hochschulen begleitet. Für die FH Salzburg markiert das vom FWF geförderte doc.funds.connect-Programm einen wichtigen Schritt in ihrer Forschungsentwicklung dar: Erstmals forschen PhD-Studierende im Rahmen eines gemeinsamen Doktoratsprogramms an der Fachhochschule. Insgesamt umfasst REVELATION sechs miteinander verknüpfte Dissertationen und bildet damit eine neue Schnittstelle zwischen angewandter Forschung an der FH Salzburg und universitärer Grundlagenforschung.

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