Forschung
Sicherheit im Stresstest: Wie Forschung Cyberangriffe sichtbar macht
Cyberangriffe sind längst Realität. Sie bedrohen zunehmend auch kritische Infrastrukturen wie Energieversorgung und Industrieanlagen. Mit innovativen Testumgebungen und praxisnaher Forschung arbeiten Expert*innen an der FH Salzburg daran, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und Systeme widerstandsfähiger zu machen.
„Unsere Infrastrukturen sind viel fragiler, als wir glauben“, betont Dimitris E. Simos. Der Informatiker forscht seit rund einem Jahr am neu gegründeten Forschungs- und Transferzentrum für Cybersecurity bzw. datenbasierte Evaluierung von Sicherheits- und Privacy-Technologien. Bei wichtiger Infrastruktur – wie etwa der Strom- oder Wasserversorgung – sei es unerlässlich, sich mit Sicherheitsfragen intensiv auseinanderzusetzen.
Das Team des neuen Forschungs- & Transferzentrums Cyber Security. Das FTZ wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert und vom Land Salzburg kofinanziert.
Über simulierte Angriffe die Sicherheit des Gesamtsystems zu verbessern, versucht das Team des im April 2026 offiziell vorgestellten Forschungs- und Transferzentrums Cybersecurity, das die FH Salzburg gemeinsam mit der Universität Salzburg ins Leben gerufen hat. Es beschäftigt sich mit Angriffs- und Verteidigungsmethoden auf KI-Systeme und der Frage, wie sich Sicherheit und Nutzbarkeit der digitalen Anwendungen gut vereinbaren lassen.
Cyber Range als Angriffscheck
Ein zentrales Element dabei ist die Cyber Range, eine realitätsnahe Test- und Trainingsplattform, mit der Cyberangriffe simuliert und Schutzmaßnahmen erprobt werden können. Die Cyber Range dient dazu, Schwachstellen aufzuzeigen, Verbesserungen zu erproben und das Bewusstsein für Gefahren in einer hybriden Welt zu schärfen. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit werden effizient aufbereitet und gezielt an Unternehmen, Bildungseinrichtungen und die Öffentlichkeit weitergegeben, damit sie in der Praxis möglichst effizient wirksam werden.

Dimitris E. Simos, Brückenprofessor für Cyber Security.
Zur Person: Dimitris Simos
Seit rund einem Jahr verstärkt Dimitris Simos das Department Information Technologies & Digitalisation und forscht als Brückenprofessor für Cyber Security am neu gegründeten FTZ. Die Professur wurde im Rahmen der EXDIGIT-Initiative des Landes Salzburg eingerichtet und ist als gemeinsame Berufung mit der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS) konzipiert.
Simos lehrt in den Bachelorprogrammen und im Masterstudiengang Cyber Security. Er forscht an methodischen Grundlagen für sichere IT-Systeme, mit Fokus auf automatisiertes Testen, mathematische Modellierung und verlässliche IT-Architekturen. Mit über 150 wissenschaftlichen Publikationen zählt er international zu den führenden Köpfen an der Schnittstelle zwischen Mathematik, Informatik und IT-Sicherheit.
Testfeld für die Industrie 4.0
Eine realitätsnahe Testumgebung ist auch ein Herzstück des Josef Ressel Zentrums für intelligente und sichere Industrieautomatisierung. Das sogenannte Testbed besteht aus einem geschlossenen Produktionssystem mit drei Spritzgussmaschinen, mit dem innovative Systemarchitekturen, künstliche Intelligenz und Security-Themen ausprobiert werden können. Das Experimentierfeld mit Komponenten aus der Praxis ist in enger Partnerschaft mit Industrieunternehmen entstanden und führt Expert*innen aus Mechatronik, Regelungstechnik, Security, künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und klassischer Informatik für Projekte zusammen. Dadurch entstehen innovative Ansätze wie digitale Assistenten, die durch Reinforcement Learning effizienter arbeiten.
Vereinfacht gesagt beschäftigt sich das JRZ mit der nächsten Stufe der Industrieautomatisierung: Digitale Assistenten steuern und kontrollieren Industriemaschinen, die gänzlich ohne menschliche Bedienung auskommen. Um das zu realisieren, braucht es nicht nur entsprechende Systemarchitekturen und viel künstliche Intelligenz, sondern auch wirksamen Schutz vor Cyberangriffen. Laut aktuellen Untersuchungen richtet sich fast jeder fünfte Cybersecurity-Angriff an Operational-Technology-Systeme.

Stefan Huber, Head of Research am Department IT und Leiter des Josef Ressel Zentrums
„Cybersecurity ist nicht mehr nur ein IT-Thema, sondern integraler Teil moderner Produktionssysteme."
Stefan Huber · Leiter des JRZ
Gerade Angriffe, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten, sind längst allgegenwärtig und werden zum Standard – nicht nur in der Industrie. Umso wichtiger ist es, mit innovativen Lösungsansätzen die Widerstandskraft der automatisierten Industrien zu erhöhen.

©Birgit Palma & Daniel Triendl
Infrastruktur schützen
Im Bereich der Forschung rund um den Betrieb von intelligenten Energienetzen und Datensicherheit hat die FH Salzburg langjährige Expertise. Schon ab 2013 gab es ein Josef Ressel Zentrum für anwenderorientierte Smart-Grids-Privacy, -Security und -Steuerung – zu einer Zeit, als das Thema noch lange nicht so im Fokus war wie heute.
Als Nachfolgeorganisation befasst sich mittlerweile das Zentrum für sichere Energieinformatik (ZSE) mit Methoden, wie sich Erzeugung und Verbrauch im Energiesystem mit künstlicher Intelligenz besser vorhersagen lassen. Gleichzeitig geht es dabei um den verantwortungsvollen Umgang mit heiklen Daten über privaten Energieverbrauch.
Das Forschungsprojekt Prismatics (Privacy and Security for Modelling and Assessing Threats to Industrial Complex Systems) setzt genau da an: Projektleiter Günter Eibl untersucht mit seinem Team, wie man aus Datensätzen, wie sie beispielsweise durch Smart Meter – moderne, intelligente Stromzähler – gesammelt werden, möglichst viel Information für den Netzbetrieb herausfiltern kann, ohne dabei den notwendigen Datenschutz zu verletzen. Die effiziente Nutzung von vorhandenen Daten und die Sicherheit dürfen sich nicht ausschließen. Um die Systeme zu verbessern, arbeitet das Team von Prismatics unter anderem mit Privacy-Attacken. „Diese dienen dazu, Schwachstellen aufzuzeigen und Methoden weiterzuentwickeln“, erläutert Eibl.

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