Demokratie & Resilienz

Unsicherheit ist Nährboden für Populismus

Von Extremismus und Autoritarismus geht Gefahr für die Demokratie aus. Als Gegenpol sei es wichtig, die Demokratiekompetenz in der Bevölkerung zu stärken, ist Markus Pausch, Senior Researcher am Department Angewandte Sozialwissenschaften der FH Salzburg, überzeugt.

Demokratiebildung kann schon im Kindergarten anfangen. Etwa dann, wenn Kasperl im Streit mit dem Populistifax denen hilft, die sonst keine Stimme haben. Wer einmal selbst erlebt hat, dass man Ungerechtigkeiten entgegenwirken und etwas zum Positiven verändern kann, sei weniger anfällig für die Versuchungen von Populismus und Extremismus, ist Markus Pausch sicher. Die Stärkung der Demokratiekompetenz jedes Einzelnen ist für den Politikwissenschaftler entscheidend, wenn es darum geht, Menschenrechte, Presse- und Meinungsfreiheit oder freie Wahlen langfristig abzusichern.

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Markus Pausch forscht an der FH Salzburg zu Demokratie und Resilienz.

„Kinder haben ein starkes Gefühl für Gerechtigkeit."

Markus Pausch

Demokratiekompetenz fördern

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss tagtäglich mit Leben erfüllt und verteidigt werden. Das Department Angewandte Sozialwissenschaften mit dem Masterstudiengang Soziale Innovation hat sich in den vergangenen Jahren durch Forschung und internationale Kooperationen viel Expertise aufgebaut. Unter anderem ist gemeinsam mit Partner*innen aus mehreren europäischen Ländern das Handbuch „Demokratiebildung gegen antidemokratische Tendenzen“ entstanden.

Extremismus und Autoritarismus als Gefahren

Grundsätzlich sieht der Experte zwei Richtungen, aus denen Gefahren für die Sicherheit unserer Demokratien kommen: Extremismus und Autoritarismus. Während Extremismus oft im Verborgenen aus der Gesellschaft heraus entsteht, äußere sich Autoritarismus dadurch, dass im politischen System schleichend Rechte beschnitten und die Demokratie ausgehöhlt werde – etwa in Ungarn unter Viktor Orbán.

„Wir haben seit 2005 eine Welle der Autokratisierung und eine Verringerung der Demokratie in der westlichen Welt."

Markus Pausch

Es funktioniere nach dem immer gleichen Prinzip: Dem politischen Gegner werde die Legitimation abgesprochen, Medien würden als „Lügenpresse“ kritisiert, gleichzeitig werde gezielt mit Falschmeldungen oder Halbwahrheiten Stimmung gemacht. „Donald Trump spricht von Fakenews und meint damit Medien wie CNN oder Washington Post“, sagt der Experte. Auch die Unabhängigkeit der Justiz werde in Frage gestellt.

Prävention soll Resilienz stärken

Unsicherheit – oft durch reale oder überzeichnete Bedrohungen wie Wirtschaftsflaute, Arbeitslosigkeit, Migration, Pandemien oder Terrorismus geschürt – sei der Nährboden, auf dem populistische Strömungen gedeihen. Sie versprechen, mit einfachen Lösungen die Sicherheit zurückzubringen. Wenn man sich objektive Daten ansehe, gebe es in Österreich aber nicht weniger Sicherheit als früher.

Das Forschungsprojekt SHIELDed (Building safer communities through inclusion, awareness and cooperation), bei dem die FH Salzburg mit Partner*innen aus Deutschland, Polen, Portugal, Frankreich und Italien zusammenarbeitet, setzt sich damit auseinander, wie sich vulnerable Orte wie Schulen, religiöse oder kulturelle Einrichtungen besser gegen Hass und Gewalt schützen lassen – und vernetzt Behörden, Bildungseinrichtungen und Religionsgemeinschaften, um Radikalisierung entgegenzuwirken.

Im Kleinen Großes bewirken

Es gehe immer darum, mit einer Demokratiebrille auf die Welt zu schauen und das Gefühl der Selbstwirksamkeit zu erleben, sagt Pausch. Resilienz gegenüber antidemokratischen Prozessen entstehe auch dadurch, dass Menschen in ihrem kleinen Bereich auf Gerechtigkeit, Mitbestimmung oder Meinungsfreiheit achten. „Ich kann damit nicht die Welt retten“, ist er realistisch. Aber wenn viele Menschen und Organisationen im Kleinen an der Demokratiestärkung arbeiten, gehe davon viel Veränderung aus.

Was bedeutet Ihnen persönlich Sicherheit, Markus Pausch?

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