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Mit Kooperation und KI gegen Lebensmittelverschwendung

Mit Kooperation und KI gegen Lebensmittelverschwendung

In einer Welt, in der rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel im Müll landet braucht es dringend innovative Lösungen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen. Hier setzt das Forschungsprojekt CEFoodCycle der FH Salzburg an, das sich der Herausforderung stellt, Lebensmittelverschwendung durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und innovativen Netzwerken zu minimieren.


Weltweit landen rund 30 bis 40 Prozent der produzierten Lebensmittel in der Mülltonne, die Mehrheit davon in Privathaushalten. Diese Lebensmittel verursachen entlang der Wertschöpfungskette zwischen acht und zehn Prozent der weltweit produzierten Treibhausgase. Das Projekt CEFoodCycle geht das Problem auf der Ebene der Lebensmittelhersteller, Gastronomie- und Hotelleriebetriebe an. 

„Unser Ziel ist es, eine intelligente, digitale Plattform zu entwickeln, die Akteure innerhalb und außerhalb des Lebensmittelsektors miteinander vernetzt“, erklärt Eva Lienbacher, Projektleiterin von “CEFoodCycle: Mapping Food Streams and Identifying Potentials to Close the Food Cycle“. „Dadurch wollen wir die Wiederverwendung von Lebensmitteln fördern und gleichzeitig Lebensmittelabfälle und CO2-Emissionen reduzieren“, so Lienbacher weiter. Partnerorganisationen in Frankreich, Slowenien, Italien, Deutschland und Österreich arbeiten dafür unter der Leitung des Teams an der Fachhochschule Salzburg grenzüberschreitend im EU geförderten „Interreg Alpine Space“-Projekt zusammen. 

„Unser Ziel ist es, eine intelligente, digitale Plattform zu entwickeln, die Akteure innerhalb und außerhalb des Lebensmittelsektors miteinander vernetzt“, erklärt Eva Lienbacher, Projektleiterin von “CEFoodCycle“.


Circular Food Hubs: Knotenpunkte für nachhaltige Lebensmittelverwertung

Seit Beginn des interdisziplinären und internationalen Projekts 2022 wurden in fünf Regionen sogenannte „Circular Food Hubs“ gegründet, die als zentrale Knotenpunkte für die Sammlung und Verteilung von überschüssigen Lebensmitteln dienen. In diesen Hubs vernetzen sich verschiedene Akteure entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette miteinander und schaffen die notwendige Infrastruktur, um Lebensmittelabfälle zu minimieren und gleichzeitig die Wiederverwendung zu fördern. Durch die Bereitstellung praktischer Lösungen wie Upcycling, Weiterleitung an karitative Einrichtungen und Nutzung in Biogasanlagen und die regionale Zusammenarbeit passen sie sich an die spezifischen Gegebenheiten der jeweiligen Region an. „Eine Stadt wie Nizza steht vor ganz anderen Herausforderungen als eine ländliche Region in Slowenien“, erklärt Anna Schliesselberger, die als Junior Researcherin im Projekt forscht und maßgeblich am Circular Food Hub Salzburg-Bayern mitarbeitet. „Frankreich ist beispielsweise Vorreiter in der Gesetzgebung. Schon viele Jahre sind Supermärkte verpflichtet, überschüssige Lebensmittel an karitative Einrichtungen zu spenden“, erklärt Schliesselberger. Diese Diversität ist eine der Stärken des Projekts. Während der gesamten Projektlaufzeit werden Best Practice Beispiele gesammelt, die in einer Broschüre gesammelt veröffentlicht werden sollen.


Kreislaufwirtschaft wirkt: aus Treber werden Burger

Eine Maßnahme um Unternehmen, die neue Ideen in der Lebensmittelkreislaufwirtschaft verfolgen, vor den Vorhang zu holen, war der „CEFoodCycle Award“. Interessierte Unternehmen, Vereine und NGO’s konnten ihre Ideen im Mai 2024 beim „CEFoodCycle Award“ einreichen. Fünf Unternehmen – aus jeder Partnerregion eines – wurden für ihre Bemühungen um weniger „Food Waste“ ausgezeichnet. Das Rennen für die Region Salzburg-Bayern machte die innovative Kooperation zwischen Stiegl und dem Startup easyVEGAN.  Den Treber, der bei der Bierherstellung als Brau-Nebenprodukt anfällt, nutzt das Startup easyVEGAN als Hauptzutat für pflanzenbasierte Bällchen, Taler und Burgerpatties. Die Fleischersatzprodukte aus naturbelassenem Treber sind die ersten ihrer Art auf dem Markt weltweit und werden besonders klimafreundlich hergestellt. 

Das CEFood Cycle Forschungsteam an der FH Salzburg: 
Werner Kaltner-Pomwenger, Anna Schliesselberger, Eva Lienbacher und Reinhard Portenkirchner


Das KI-Tool: Ein Blick in die Zukunft

Ein zentrales Ziel des Projekts ist aktuell die Entwicklung von foodcycle.ai, eines intelligenten, KI-gestützten Tools, das Unternehmen praktische Lösungen für den Umgang mit Lebensmittelabfällen bietet. „Das Tool soll Unternehmen dabei unterstützen, ihre überschüssigen Lebensmittel effizient zu verwerten“, erläutert Reinhard Portenkirchner, Junior Researcher am Department Information Technologies and Digitalisation, der maßgeblich an der Entwicklung des Tools beteiligt ist. „Es schlägt potenzielle Wege und Partnerunternehmen vor, die bei der Weiterverarbeitung oder Spende der Lebensmittel helfen können.“ Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre überschüssigen Lebensmittel einzugeben und erhalten daraufhin maßgeschneiderte Vorschläge zur Weiterverwendung – sei es durch Spenden an karitative Einrichtungen oder durch industrielle Verfahren zur Aufwertung der Lebensmittelabfälle, das sogenannte Upcycling. Damit das Projekt über seine Lebenszeit hinaus wirken kann, wurde eine Zusammenarbeit mit einem etablierten Plattform-Partner im Reststoff- und Abfall-Markt etabliert. Damit werden einerseits bestehende Daten abgerufen, andererseits können die Entwicklungen nach Projektende in die bereits existierende Plattformlösung einfließen.  

Derzeit sucht das Team nach Unternehmen, die das Tool im Alltag testen möchten. „Im Rahmen des Tests erhalten die Unternehmen Zugang zum Tool und können es bis zum Ende der Projektlaufzeit im Jahr 2025 kostenlos nutzen“, erklärt Portenkirchner.

Mit Projekten wie CEFoodCycle zeigen die Forscher*innen, wie durch den Einsatz von Technologie und Kooperation nachhaltige Lösungen für globale Herausforderungen entwickelt werden können. Die Zukunft der Lebensmittelverwertung liegt in unseren Händen – und in den intelligenten Algorithmen von foodcycle.ai. 


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