01/2023
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FH Salzburg-Geschäftsführer Dominik Engel im Gespräch

Praxisnah forschen und lehren 

Die inhaltliche Breite ist eine der Stärken der FH Salzburg. Davon ist Dominik Engel, seit September 2022 Geschäftsführer der Hochschule, überzeugt. Wenn es darum geht, die großen Zukunftsfragen zu lösen, ist der Blick über den Tellerrand des jeweils eigenen Fachs nötig. Deshalb soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der FH noch weiter gestärkt werden.


» Wir wollen internationaler und interdisziplinär werden. « 


Dominik Engel 

Dominik Engel wurde 1978 in Innsbruck geboren. Er hat Angewandte Informatik und Anglistik und Amerikanistik studiert. In der Informatik hat er außerdem promoviert und sich habilitiert. Nach Tätigkeiten an den Universitäten Salzburg und Bremen sowie in der Privatwirtschaft ging er 2010 an die FH Salzburg. Er leitete das Josef-Ressel-Zentrum für »Anwenderorientierte Smart Grid Privacy, Sicherheit und Steuerung« sowie seit 2018 das Zentrum für Sichere Energieinformatik. Im September 2022 übernahm er die Geschäftsführung der FH Salzburg.

warum!

Was ist Ihre Vision für die FH Salzburg?

Mein Ziel ist es, unsere Stärken zu nützen, um die Studiengänge weiterzuentwickeln, die Internationalisierung voranzutreiben und mehr englischsprachige Angebote zu etablieren. Unsere inhaltliche Breite bietet die Chance, die großen Fragen unserer Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven zu adressieren. Diese Interdisziplinarität wollen wir noch verstärken.

warum!

Welche Stellung hat die FH in der Salzburger Bildungslandschaft – und wohin soll sie sich entwickeln?

Wir sind als FH in einer tollen Position. Wir sind diejenigen, die die Theorie verstehen, anwendbar machen und dann praxisorientiert lehren und forschen können. Wir stehen klar für praxisnahe Forschung und Lehre. Das hat sonst niemand und wird am Standort auch immer mehr wahrgenommen.

warum!

Geht es bei der Weiterentwicklung um Wachstum oder um stärkere Fokussierung auf bestimmte Themen wie beispielsweise Nachhaltigkeit?

Unser Wachstum kann nicht in der bisherigen Geschwindigkeit weitergehen. Das hat auch mit der Demografie zu tun, es kommen die geburtenschwächeren Jahrgänge und rund um uns sind viele neue Ausbildungsangebote entstanden. Punktuell wollen wir aber natürlich wachsen. Wir werden uns unser Studienangebot systematisch ansehen und überlegen, in welchen Bereichen wir noch attraktiver werden können. Ein Beispiel ist der neue Studiengang Cyber Security, wo wir eine sehr große Expertise haben. Wir sind dabei, diesen Bereich aus einem bestehenden IT-Studiengang herauszulösen und als eigenständiges Programm anzubieten.


warum!

Entwicklung braucht Geld – wie sieht es mit der Finanzierung der FH aus?

Auch unser Sektor ist unter Druck, für die Finanzierung der Studienplätze gibt es keine automatische Indexanpassung, das trifft uns sehr. Wir haben mit dem Land Salzburg aber einen Partner, der uns besonders in der Forschung sehr unterstützt.

warum!

Von Gesundheit über Holztechnologie bis zu MultiMediaArt oder Cyber Security: Die FH Salzburg ist mit ihren Studienangeboten und Forschungsbereichen sehr breit aufgestellt. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Unsere Breite ermöglicht, Themen aus vielen verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Der Studiengang Cyber Security wird ethische Fragen diskutieren, Pflegewissenschaften arbeiten mit digitalen Möglichkeiten, die Holztechniker*innen kooperieren mit der Biomedizinischen Analytik. Dadurch entstehen spannende neue Fragestellungen und Projekte. Das ist für uns sowie die Studierenden sehr inspirierend und macht uns einzigartig.

warum!

Welche Zielgruppe sprechen Sie mit dem Masterstudiengang Cyber Security an?

Vorrangig sind es Menschen mit einem technischen Hintergrund, die sich im Bereich Cyber Security spezialisieren wollen. Die Inhalte des Curriculums gehen weit über das rein Technische hinaus. Wenn es einen Hackerangriff gibt, braucht es nicht nur das technische Wissen. Da geht es stark um Krisenkommunikation. Ich glaube, dass die Ausbildung auch für Menschen spannend wird, die schon länger in der Praxis arbeiten. Deshalb werden wir den Masterstudiengang berufskompatibel anbieten.

warum!

Was macht den neuen Studiengang einzigartig?

Meine Vision ist eine solide IT­ Sicherheitsausbildung, die durch Themen wie Kommunikation ergänzt wird. Wir werden in der Ausbildung auch ethische Fragen diskutieren und komplexe Fälle simulieren. Immer mehr Unternehmen – auch in der Produktion und in der kritischen Infrastruktur – digitalisieren, dadurch entstehen neue Angriffsflächen, die abgesichert werden müssen. Dazu braucht es Menschen, die die Cyber Security im Blick haben.

warum!

Wann beginnt die Ausbildung?

Im Vollausbau starten wir voraussichtlich im Herbst 2024. Bereits im kommenden Studienjahr 2023 bieten wir die Spezialisierung »Cyber Security« im Rahmen unseres IT Studiums an. Ein Umstieg auf den vollen Master »Cyber Security« soll ermöglicht werden.

warum!

Künstliche Intelligenz ist eines der großen Zukunftsthemen. Wie geht die FH mit einer Anwendung wie Chat-GPT um?

Auf den ersten Blick ist das eine große Herausforderung. Man kann mit der App auf Knopfdruck eine Seminararbeit schreiben lassen. Wir haben eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich damit befasst. Ich bin der Ansicht, dass Verbote nichts bringen. Entscheidend ist immer das Gespräch mit den Studierenden, die eine Arbeit verfassen. Da merkt man schnell, wie tief sich jemand mit einer Fragestellung auseinandergesetzt hat. Es gab auch in der Vergangenheit Menschen, die sich unlauterer Mittel bedient haben. Aber wenn jemand nicht weiß, was im Detail in der Arbeit steht, fällt das auf.

warum!

Was waren die Meilensteine 2022, was steht 2023 an großen Projekten und Veränderungen für die FH Salzburg an?

Im vergangenen Jahr war die Entscheidung für die Organisationsreform mit der Einrichtung von sechs Departments sicher der wichtigste Schritt. Seit Herbst sind wir in der Umsetzung, die Bereiche stellen sich neu auf, die Leitungen der Fachbereiche wurden ausgeschrieben. Die Reform nimmt Gestalt an, das beschäftigt uns auch heuer stark. Lehre, Forschung und Verwaltung rücken durch die Änderungen näher zusammen. Ich nehme derzeit eine neue Aufbruchsstimmung wahr.

warum!

Nachhaltigkeit, Umstieg auf erneuerbare Energie, Klimafragen: Welchen Beitrag kann die FH Salzburg zur Lösung der großen Themen unserer Zeit leisten?

Es gibt auf die Klimakrise keine einfachen Antworten, es braucht differenzierte und interdisziplinäre Herangehensweisen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven unserer Fächer entstehen spannende Projekte und sehr differenzierte Meinungen. Es gibt Studiengänge wie Holztechnologie & Holzbau, Smart Building oder Design & Produktmanagement, die sich sehr stark mit nachhaltigen Themen und Kreislaufwirtschaft beschäftigen und sehr innovativ sind.

warum!

Wie viele Absolvent*innen gibt es pro Jahr? Welche Jobaussichten haben Sie?

Es schließen rund 800 Menschen pro Jahr ihr Studium ab. Die Nachfrage am Arbeitsmarkt ist extrem hoch. Es werden viele Studierende noch während ihrer Ausbildung von Unternehmen abgeworben. Deshalb bieten wir auch Programme, zum Beispiel in Betriebswirtschaft, IT, Smart Building oder im Sozialbereich, die es ermöglichen, neben der Arbeit das Studium abzuschließen.

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Im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege wurden die Studienplätze in den vergangenen Semestern erhöht. Wie steht es um die Nachfrage nach diesen Plätzen?

Die Ausbildung kommt sehr gut an, gleichzeitig braucht es aber auch noch mehr Bemühungen, das Berufsbild der Pflege attraktiver zu machen. Es sind auch rechtliche Änderungen zu diskutieren, damit die Absolvent*innen in der Praxis all die Dinge tun dürfen, die sie bei uns gelernt haben. Wir sind von 80 Studienanfängerplätzen im Jahr 2017 auf mittlerweile 200 Plätze pro Studienjahr gewachsen die Plätze sind zu über 80 Prozent gefüllt, damit sind wir angesichts des schnellen Ausbaus durchaus zufrieden. Mit dem Pflegezuschuss (derzeit 600 Euro pro Monat), der seit Herbst 22 gewährt wird, wird die Nachfrage noch weiter steigen.

warum!

Wenn ein junger Mensch, der ein passendes Studium sucht, Sie fragt, was die FH Salzburg im Kern ausmacht – was antworten Sie?

Es gibt bei uns eine wirklich individuelle Betreuung der Studierenden. Wir bieten mit unserer praxisnahen Lehre und Forschung den Rahmen, damit junge Menschen ihre Talente entfalten können. Als FH Absolvent*in steht mir alles offen: Ich kann direkt nach dem Abschluss arbeiten, kann weiter ein Masterstudium anschließen und mich spezialisieren oder eine Doktorarbeit schreiben. Wir haben unter unseren Absolvent*innen eine breite Palette – von erfolgreichen Gründer*innen bis zu Hochschulprofessor*innen.